Wie Gott will

Aktuelles

Liebe Leserinnen und Leser unserer Homepage.

Viele oder die meisten von Ihnen können im Moment keinen Gottesdienst feiern. Wir, die Gemeinschaft der Katharinenschwestern am Ermlandweg in Münster, dürfen dies in unserem kleinen Rahmen mit Abstand tun. Dies ist ein Privileg und wir nehmen Sie mit in unser Gebet. Unser Kreuz in der Kapelle ist auch verhüllt, aber die Verhüllung des Hochalters im Stefansdom in Wien mit einem riesigen Pullover ließ uns doch aufhorchen. So möchte ich diese Worte der Predigt von Propst Remfert mit Ihnen allen teilen und hoffe, dass auch Sie Trost darin finden: Christus bekleidet sich mit „unserem“ Alltag…

5. Fastensonntag /A                Katharinenschwestern 2020

Ein ungewohnter Anblick heute, der Blick auf das verhüllte Kreuz. Oder doch auch nicht? „Ist doch jedes Jahr so, kennen wir doch!“
Dabei kann das Verhüllen eine große Wirkung haben! Der Verhüllungskünstler Christo hat das Verhüllen zur Perfektion getrieben. Z.B. hat er den Reichstag in Berlin unter riesigen Folien verhüllt, und alle schauten hin und sahen die Konturen dieses bekannten Gebäudes einmal bewusst und wieder ganz neu.

Aus Wien, aus dem weltberühmten Stefansdom wird berichtet, dass dort ein bekannter österreichischer Künstler in diesem Jahr zur Fastenzeit den prächtigen Hochaltar mit dem großen Kreuz mit einem riesigen Strickpullover zugehängt hat. Der Pullover ist gut zu erkennen, die beiden Ärmel rechts und links hängen lang herunter. 80 qm groß ist das Kleidungsstück.

Das Heiligste im Kirchenraum ist verhängt - wie unser Kreuz hier auch. Ein alltägliches Kleidungsstück, ein Pullover, verhängt das Zentrum des Glaubens, das Kreuz mit einem Pullover, nicht anders wie wir ihn jeden Tag tragen, - nur eben größer. Jesus, unser Gott, in einem Pullover: so geht er durchs Leben, an meiner Seite, mir sehr ähnlich! Wie viele Löcher mögen im Laufe der Zeit in dieses Strickgewebe wohl hineinkommen? – auch das Loch, das einmal mein Grab sein wird!
Marta sagte zu Jesus: „Komm, und sieh.“ (34) Und er kam.

„Was ziehe ich heute bloß an!“ das ist für viele Menschen eine ganz wichtige Frage. Für Jesus nicht. Er trägt, was wir alle tragen, und alles, was uns jeden Tag in den Kleidern hängt. Er trägt das Strickmuster meines Lebens. Das Verhüllen wird jetzt zu einem ganz neuen Sehen. Wie Zwillingsgeschwister, die gleich gekleidet sind, so trägt Jesus mit mir den gleichen Pullover, das Kleid meines Lebens. Auch das Tuch an unserem Kreuz sagt uns das - ein Tuch aus unserer Alltagswelt.
Die Kleidung, ein Pullover ist wie eine zweite Haut: Gott steckt in meiner Haut! Näher kann er mir nicht mehr kommen! Das ist meine Erlösung: Er hat sich alles von mir angezogen. „All Sünd‘ hast du getragen.“ Das Verhüllen enthüllt es mir.

Und noch mehr: In meiner Verhüllung, in meinem Alltagsgewand, geht er durchs Leben: Im Dienst an den Menschen, in den vielen hochherzigen Gesten jetzt in der Corona-Krise: Da steht er im Alltagsgewand jeder Frau und jedes Mannes, der hilft und zur Stelle ist. Wenn ich im Alltagspullover zur Stelle bin, dann ist er da!

Ps. 102, 27,28: „Du wechselst sie wie ein Kleid“. Gott fragt nicht: Was ziehe ich heute nur an? Gott nimmt mich, er nimmt mein Leben. Und in meinem Leben darf ich ihn zu den Menschen, zu den Kranken, zu denen hintragen, für die „Misereor“ in diesem Jahr sorgen möchte – wie ein Zwillingsbruder. „Sie zerfallen wie ein Gewand; du aber bleibst“ (Ps). Wenn keine Schutzmaske mehr hilft, wenn uns die Schutzkleidung ausgeht: „Du aber bleibst.“
Zu Marta sagte Jesus: “Habe ich dir nicht gesagt, du wirst die Herrlichkeit Gottes sehen?“ (40) Das sagt er an einem Grab! „Und Jesus weinte.“ (35) Jesus in meinem Alltagspullover – bis zum Letzten. „Du aber bleibst.“ Neues Sehen in der Verhüllung. Und ich sehe meinen Jesus, wie er nicht am Grab stehen bleibt, sondern selbst in das Grab hineingeht. Er zieht den Pullover nicht eher aus, bis der ganze Lebensweg abgeschritten ist. Verhüllung, um es uns zu enthüllen!
„Deinen Tod, o Her, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir; bis du kommst in Herrlichkeit.“ Amen. 

Die Versangaben im Text beziehen sich auf das Sonntagsevangelium: Joh 11,1-45.

So wünsche ich Ihnen und uns allen einen gesegneten Sonntag im Wissen, ER ist unser Bruder und geht mit uns. Sr. M. Christina


18.01.2020 Aktuelles: Zum Fest der seligen Regina Protmann

Liebe Leserinnen und liebe Leser unserer Homepage:

Die Notiz ist nicht mehr so ganz neu, aber noch immer gut zum Lesen.

Jedes Jahr feiern wir am 18.Januar den Gedenktag unserer Gründerin Regina Protmann. Den Tag bereiten wir in den Gemeinschaften immer durch eine Novene vor, ein neuntägiges Gebet, um uns einzustimmen auf dieses unser besonderes Fest.

In der Eucharistiefeier, die festlich gestaltet war, hörten wir eine Predigt, aus der ich einiges mit Ihnen teilen möchte:

Wie viele Bücher könnten es wohl werden? (vgl. Joh 21,25) „Jeder Christ schreibt mit seinem Leben eine Seite der Hl. Schrift weiter.“ - Ein kühnes Wort. – Aber ein Wort das auch wahr ist.

Ich kann dieses Wort natürlich nicht so verstehen, als ob am Ende auf dem Totenbrief für einen Christen stehen sollte: „Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.“ Nein, so natürlich nicht. Aber wie?

Das gelebte Leben eines gläubigen Menschen entfaltet die Botschaft von Gott, das Evangelium Jesu Christi, in sein Leben hinein, und wie schon in der Bibel – durch Licht und Dunkel, durch Sünde und Gnade – kommt Gott zum Menschen. Gott kommt durch! So auch im Leben eines gläubigen Menschen: mit Licht und Schatten, Schuld und Gnade - Gott kommt durch und bleibt uns Menschen gegenwärtig.

Menschen waren es ja auch, die das Evangelium schon lebten und bezeugten, bevor sie es aufgeschrieben haben.

„Ein Christ, der sich mehr und mehr vom Glauben der Kirche führen und formen lässt, trotz seiner Schwächen, seiner Grenzen und seiner Schwierigkeiten, wird gleichsam zum Fenster, das offen ist für das Licht des lebendigen Gottes, das dieses Licht aufnimmt und es an die Welt weitergibt.“ (Papst Benedikt, Generalaudienz, 31.10.2012)

So lebt das Evangelium im getauften Menschen weiter. Und je mehr jemand die Einheit mit Christus sucht und auch erlangt, um so mehr Evangelium ist in seinem Leben. Bei einigen von ihnen darf die Kirche dann sagen: Sie sind Heilige oder Selige.

Mutter Regina wird „selig“ / „heilig“ genannt und von Ihnen und der ganzen Kongregation verehrt.

Für den Festtag heute – für die Zeit der Anbetung  - sind vielleicht drei Worte der Heiligen Schrift aus dieser Festmesse geeignet, um zu bedenken und zu betrachten, wie diese Worte sich im Leben der Seligen entfaltet haben und sie dadurch der Hl. Schrift gleichsam eine Seite hinzugefügt hat. Bedenken Sie das Leben der Seligen. Sie kennen ihr Leben ja gut. Die drei möglichen Worte habe ich Ihnen zusammengestellt.

Mit welcher Handschrift hat die selige Regina diese Worte in ihr Leben hineingeschrieben ---?

Dann aber darf ich der Frage nicht ausweichen: Mit welcher Handschrift schreibe ich mit diesen Worten Gottes Schrift in meinem Leben weiter ---?

„Wie er, der euch berufen hat, heilig ist, so soll auch euer ganzes Leben heilig werden.“ (1 Petrus,15)

Zum Bedenken und zum Beten im Blick auf das Leben der Seligen und auf das eigene Leben wurden uns diese Worte aus den Lesungen der Festmesse geschenkt.

Habt Mut, fürchtet euch nicht! Seht, hier ist euer Gott! (Jes.35,4) Das erfordert einen gelebten Glauben

Wenn ich schwach bin, dann bin ich stark (2 Kor 12,10). Sich annehmen, seine Lebensbedingungen, und ehrlich sein vor Gott und sich selbst…

Du aber folge mir nach (Joh 21,22b). Gott gibt nicht auf alle meine Fragen eine Antwort, aber er geht alle meine Wege mit!

Nach dem Gottesdienst war uns die Zeit geschenkt, in der festlich geschmückten Kirche vor dem Allerheiligsten, diesen Fragen im Herzen nachzugehen.

Mit einem herzlichen Gruß teile ich diesen Impuls mit Ihnen.

Sr. M. Christina

Der Predigt Impuls ist von Probst Heinrich Remfert    Foto: Klosterkirche der Katharinenschwestern MS Ermlandweg

25.11.2019  Aktuelles: Zum Fest der heiligen Katharina von Alexandrien.

Liebe Leser und Leserinnen unserer Homepage!

Das Fest unserer Patronin ist ein Anlass, an dem ich Sie am Leben der Kongregation teilnehmen lassen möchte.

Wir, die Katharinenschwestern, feiern dieses Fest jedes Jahr – in jeder kleinen und großen Gemeinschaft. Dort wo wir leben, wird es unterschiedlich nach Erdteil und Kultur angepasst gefeiert.

Oft werden wir gefragt, warum Katharinenschwestern, die Gründerin ist doch Regina Protmann.

Der Grund ist: Mutter Regina hat ihrer Gemeinschaft (1583) die heilige Katharina von Alexandrien, die Patronin ihrer Pfarrkirche in Braunsberg, als Patronin und leuchtendes Beispiel vor Augen gestellt. (näheres haben sie sicher schon in der hier angegebenen Literatur gelesen.)

Deshalb feiern wir dieses Fest und bereiten den Tag durch eine unterschiedlich gestaltete Novene (9tägiges Gebet), vor. Wir bedenken das Leben der Heiligen und danken oder bitten  um ihre Fürsprache.

In diesem Jahr hat mich die Predigt zu diesem Festtag -in unserer Kapelle im Provinzhaus in Münster -wieder neu – anders – und tief berührt, weil sie einen Bezug zum Alltag eines jeden Christen hat.  Somit ist sie nicht nur für uns – sie ist, so denke ich eine Erinnerung für alle, die als Christen leben.

So teile ich einen Auszug aus der Predigt von Propst Remfert, von diesem Tag.  

„Das Leben der Heiligen muss hier nicht vorgestellt werden, es ist als Legende auf uns gekommen. „Legende“ will sagen, wie ein Leben zu lesen ist, was wir Heutigen darin lesen könne.

Wir lesen von der heiligen Katharina ihren entschiedenen Glauben. Immer muss der Glaube ein entschiedener sein. Manchmal kann diese Entschiedenheit bis zum Tod führen (Martyrium).

Jeden Tag leben viele Tausend unserer Glaubensschwestern und -brüder diese Entschiedenheit, oft unter Lebensgefahr. Ich las: 90% aller Christen weltweit werden verfolgt.

Das ist nicht so, weil heute die Zeiten besonders schlecht wären, das ist vielmehr deshalb so, weil das Bekenntnis zu Gott, eine gelebte Glaubensüberzeugung, nicht stromlinienförmig in unsere gesellschaftliche Umwelt passen. Die Heilige von Alexandrien lebte damals in einem diktatorischen System. Demokratien unserer Tage hierzulande töten nicht brutal, aber sie haben auch ihre Methode: sie schließen aus, sie ächten und isolieren oder können durch Verfahrensfragen abwürgen oder ausschalten.

Jesus sagt: Die Menschen wollen ihr Leben retten – oft genug geht das auf Kosten anderer Menschen – und Jesus sagt, dass das in eine Katastrophe endet, „der wird sein Leben verlieren.“ (Lk 9,24)

Die Heilige Katharina hat nicht verloren, sie hat gewonnen. Immer, wenn die Menschen anfingen, das Leben und die Welt ohne Gott zu erklären, dann haben sie verloren, dann sind sie gescheitert. Sie konnten sich nur mit sich selbst erklären. Da ist am Ende nur das Ende. Mit Gott aber bleibt die Hoffnung, die nie hoffnungslos werden lässt, weil sie im ewigen Gott gründet.

So lesen wir im Leben der Heiligen von Alexandrien unser Leben in der Hoffnung zu bestehen. „Die Hoffnung lässt nicht zu Grunde gehen.“ (Röm 5,5)

Da zerspringt das Räderwerk aller Meinungen und Weltanschauungen und Philosophien ohne Gott. Papst Benedikt: „Die Sache mit den Menschen ohne Gott geht nicht auf.“ – Und die Sache mit der Welt auch nicht.

Das ist die Legende, das ist das, was zu lesen ist. Nicht was damals geschah, sondern was mit uns und bei uns heute geschieht: dass für Gott immer mehr spricht, als jedes Argument und jedes dicke Buch und jede öffentliche Propaganda.

Am Ende darf die heilige Katharina ihr Grab auf dem Berg Sinai finden, sie darf dort ihren Platz haben, wo Gott gesprochen hat (10 Gebote), für den alles spricht. Und er spricht, was er seit Abrahams Tagen spricht: Ich bin da, ich verlasse dich nicht, „ich bin der Herr, dein Gott.“

Mir blieb anschließend die Frage oder der Anstoß -wie mutig bin ich in meinem Alltag, mich zu Gott zu bekennen…?

Mir droht kein Martyrium – vielleicht Spott… verlacht werden… oder Ablehnung…

So erbitte ich etwas vom Mut der Heiligen, sich zu Christus zu bekennen – im Alltag wo es so viele Möglichkeiten dazu gibt, für alle die den Text lesen, für alle die als Christen leben und für alle Katharinenschwestern weltweit.

Heilige sind uns oft so fremd und wir denken sie weit weg, auf einem Sockel stehend.

Lassen wir ihr Leben – ihr Bespiel in unser Leben hinein. Sie sind erleuchtet und entzündet von Christus und möchten dieses Licht und Feuer weitergeben.

Mit einem lieben Gruß, Sr. M. Christina





 



 


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