Wie Gott will

Vertiefungswoche


Liebe Besucher und Besucherinnen unserer Homepage!

Heute stellen wir Ihnen etwas für unsere Gemeinschaft sehr Wichtiges vor. In unserer jährlichen Vertiefungswoche (über unser Charisma und unsere Spiritualität) hatten wir als Thema:

Neu-Evangelisierung und

Wir auf dem Weg der Heiligkeit.

Daraus möchte ich einen Beitrag vorstellen, der, so denke ich, für viele von Interesse sein könnte.

Jeder Christ und jede Christin, ist auf dem Weg der Heiligkeit. Unsere Gemeinschaft darf hoffen, dass die selige Regina Protmann, unsere Gründerin, von der Kirche heiliggesprochen wird.

Diese Hoffnung lässt uns mit vielen anderen Menschen fragen, warum braucht es eine Heiligsprechung? Was bedeutet es für die uns die Gemeinschaft – aber auch, was bedeutet es für alle Christen und für die Kirche?

Aus diesen Fragen ist ein Dialog entstanden, indem es darum geht:

     Warum überhaupt eine offizielle Heiligsprechung?

     Warum ist dazu ein Wunder notwendig, das von der Kirche geprüft wird.

Dieser Weg bedeutet für uns eine Freude, aber auch eine große Verantwortung. Diese möchten wir mit Ihnen teilen.

Viel Freude beim Lesen.

Sr. M. Christina Clemens


Auf dem Weg der Heiligkeit…

Ich höre immer: auf dem Weg der Heiligkeit mit Mutter Regina, da möchte ich gerne einige Fragen stellen.  

Ja gut, ich bin bereit, weiß aber nicht, ob ich auf alle Fragen eine Antwort weiß, die dich befriedigt.

Mutter Regina würde ich gerne fragen: Willst du überhaupt diese Heiligsprechung? Wozu ist das notwendig? Wem hilft das oder wem dient es?

Ja, auf ihre Antwort wäre ich schon sehr neugierig. Aber weil wir diese Antwort nicht direkt bekommen, will ich es versuchen. Die Heiligsprechung dient sicher nicht Mutter Regina und auch nicht Gott. Halt, das muss ich zurücknehmen, ganz sicher dient es dem „Himmel“, dem Ort, an dem wir bei Gott sind, dieser „Ort“ kann so neu in den Blick kommen.  

Mutter Regina ist längst bei Gott. Sie braucht keine Heiligsprechung, sie braucht diesen Aufwand nicht, aber wir brauchen ihn, damit ihr Leben mehr angesehen wird – wie es war, welche Höhen und Tiefen es hatte. Mit welchen Hindernissen und Schwierigkeiten sie gelebt und wie sie diese überwunden hat. 

Ich bin so beschäftigt mit meinem Leben – mit meinem Weg – warum soll ich mir da die Schwierigkeiten der anderen – oder die von Mutter Regina auch noch ansehen.

Meine Antwort sollte ja noch einen zweiten Teil haben. Ihr Weg kann uns Vorbild sein, es ist ein ganz eindeutiger Weg mit einem Ziel und das kann uns heute helfen.Ihr Leben oder ihren Lebensweg ansehen, nicht um es dir oder irgendjemand schwer zu machen, sondern um den Blick auf das Ziel, man kann auch sagen auf das Wesentliche, zu lenken. Um zu sehen, wie sie und warum sie dieses Leben gelebt und auf sich genommen hat.

Sie hätte es einfacher haben können – bequemer – leichter – aber das wollte sie nicht, weil sie ein Licht wahrgenommen – eine Stimme in sich gehört hat.

Licht und Stimme in sich verspüren, hören, bei dem Lärm, der um mich herum oder auch in mir ist…

Wir suchen heute – ja, auch wir – wie so viele unserer Zeitgenossen einen einfacheren Weg – wollen das maximalle Glück in kürzester Zeit und möchten ohne große Anstrengung unser Leben leben. Sicher muss jeder seinen eigenen Weg gehen und jeder sucht sein Glück – aber der Weg der Heiligkeit ist ganz sicher nicht ohne Hingabe, Opfer und Schwierigkeiten zu haben.

Das macht mir Angst, dieser Weg zur Heiligkeit – ich bin mir nicht so ganz sicher, ob ich das durchhalte oder überhaupt will…

Heiligkeit – Himmel – Ewigkeit – Seligkeit, all das verbinden wir oft mit dem, was uns schwerfällt, mit dem, was später kommt… mit dem, was unseren Weg und unsere Pläne durchkreuzt.

Aber wir sind heilig, sind es durch die Taufe, durch den Heiligen Geist. In der Heiligen Schrift gibt es viele Stellen, wo dieses Heiligsein oder Heilige sein für die Menschen gebraucht wird, die sich Christen nennen, die auf Christus getauft sind. Paulus schreibt an seine Gemeinde: an die Heiligen… das sind Menschen wie du und ich…

Ja, das ist schön, wenn wir - wenn ich - das ernst nehme, ist das eine ganz tolle Zusage: ich bin getauft, bin Christ, bin jetzt schon eine Heilige…

Ja, und bei Paulus kommt auch das Ziel in den Blick. Er weiß, wofür er kämpft und läuft – sowie die Läufer im Stadion. Er schreibt im ersten Korintherbrief: Wisst ihr nicht, dass die Läufer im Stadion zwar alle laufen, aber nur einer den Siegespreis gewinnt? Lauft so, dass ihr ihn gewinnt.“ Was heißt das anderes, als zu IHM zu gelangen – das Ziel zu erreichen.

Du hast am Anfang gesagt, beim Ansehen von Mutter Reginas Weg kommt Gott, Christus mehr in den Blick, kannst du mir das näher erklären?

Jeder Weg hat ein Ziel, IHR Leben hatte das einzige Ziel: Christus und den Nächsten zu lieben und diese Spur finden wir auf ihrem ganzen Lebensweg, anders gesagt: sie hat das Evangelium gelebt. So kann bei den Weg-Gesprächen in Gemeinschaft das Ziel neu in den Blick kommen, wenn wir darüber reden – einander bestärken – oder auch Zeugnis geben von diesem Weg.

Heiligkeit, oder Wege der Heiligkeit müssen nichts Großes sein, – es sind die kleinen Dinge in unserem Alltag, die uns den Weg führen. Wenn wir darin ein Vorbild haben, zumindest geht es mir so, kann ich den Weg leichter gehen.

Ja, das kann ich verstehen, aber deshalb muss man ja Menschen, oder jetzt vielleicht Mutter Regina doch nicht heilig sprechen. Da reicht es doch, wenn man um ihren Weg weiß.

Ja, grundsätzlich stimmt das schon. Doch die Seligsprechung und dann vielleicht irgendwann die Heiligsprechung kann sie bekannter machen. Sie wird verehrt und um Fürsprache gebeten, immer mehr Menschen lernen sie kennen. Heiligsprechung steht auch dafür, dass sie für die ganze Weltkirche ein Vorbild ist und um Fürsprache gebeten werden kann.   

Sie steht dann sozusagen mehr im Rampenlicht – aber nicht, damit sie bekannt wird oder groß wird - sondern damit Christus, Gott und der Himmel neu oder mehr in den Blick kommen. 

Warum ist zur Heiligsprechung ein Wunder notwendig und diese Prozesse zur Anerkennung?

Eine theologische Begründung weiß ich dafür nicht. Ich denke, dass der Glaube an Gottes Macht, an seine Kraft verstärkt oder bestärkt wird. Ein Wunder geschieht ja auf Fürsprache einer Person, es ist Gott, der so wirkt. Vielleicht kann man es so sagen: ein Wunder macht etwas von der Beziehung deutlich, die Heilige zu Gott haben. Es macht aber auch unser Vertrauen auf die Fürsprache und auf Gott deutlich. Es geht also letztlich darum: was trauen wir Gott zu. 

Es gibt eine wunderbare Geschichte. Sie erzählt von einem kleinen Jungen, der mit der Oma in der Kirche ist. In den Fenstern sind verschiedene Heilige dargestellt. Die Sonne scheint, die Oma erklärt ihm auf seine Frage, wer sind diese Menschen: „das sind Heilige“. Er hat verstanden, denn später erklärt er seinen Freunden: Heilige, das sind Menschen, durch die die Sonne scheint. Eine wunderbare Erklärung. Gottes Strahlen erreichen durch diese Menschen uns, die wir in der Kirche sind…

Also ist eine Heiligsprechung nicht für Gott, nicht für diese Menschen, sondern für uns, die wir heute leben.

Ja, so kann man es sagen. Gott braucht keine Heiligsprechung und auch kein Wunder, aber er kommt so ins Blickfeld – seine Größe und Macht zeigen sich durch diesen Menschen. Unser Glaube an Gott kann so gestärkt werden, wir dürfen vertrauen, dass er hinter allem steht.

Und warum braucht es da ein Wunder?

Gute Frage, sicher nur, weil heute sehr viele Menschen nicht mehr daran glauben, dass Gott Wunder tut, auch heute noch; an den Himmel und an ein Jenseits glauben viele nicht mehr so richtig, oder das dies ein lohnendes Ziel ist… vielleicht auch, weil wir oft nur an uns selber glauben – an das, was uns aus eigener Kraft möglich ist. Dabei gibt es doch so viele Wunder in unserem Alltag, so viele himmlische Momente…

Ja gut, aber was kann das für mich in diesem Moment heißen?

Schau auf die Heiligen – schau auf Mutter Reginas Weg und du wirst das Ziel sehen, Wunder im Alltag sehen – Gott sehen, der in deinem Leben viele kleine Wunder tut. Wenn wir Heilige sind, Alltagsheilige, nicht auf den Altären, dann strahlt das Licht, die Sonne Christus durch uns, erhellt uns und die Welt, in der wir leben.

Jetzt begreife ich ein wenig davon, warum wir auf den Weg Mutter Reginas schauen sollen. Grundsätzlich hat jeder Heilige oder jede Heilige diese „Vorbild-Funktion“ – aber Mutter Regina steht uns nun mal näher und wir wollen ja ihren Weg gehen.

Vielleicht kann man zusammenfassend so sagen, sie ist auf diesem Ihrem Weg zum „Himmel“ gelangt, sie ist gegangen, weil sie spürte, dies ist der Wille Gottes für sie. Wir können sie als Weg-Modell nehmen, um den Himmel zu erreichen, sollen dabei aber keine Kopie sein, sondern jede von uns ein Original. Schauen wir auf sie, leben wir nach ihrem Vorbild das Evangelium. 

Das ist ja tröstlich und anspruchsvoll zugleich. Tröstlich, dass ich mich einlassen kann, Gott steht hinter allem und Mutter Regina ist Vorbild. Anspruchsvoll, ein solches Vorbild zu haben, sie, die ihren Weg ganz im Vertrauen, im sich überlassen gegangen ist…

Eigentlich auch sehr schön, ich darf sie bitten, dass sie mich an der Hand nimmt und Vertrauen erbittet, dass auch ich meinen Weg so gehen kann.

Ja, so einfach kann es sein, nur wir sind manchmal so kompliziert, sehen die angebotene Hilfe nicht…

Können wir es so lassen, sind deine Fragen in etwa beantwortet?

Ja schon, aber ich möchte noch etwas weiter denken…

Nicht Mutter Regina, und schon gar nicht Gott braucht diese Heiligsprechung. Wir, ich, sind es, die solche Zeichen brauchen.

Erscheint mir irgendwie logisch – sooft kreise ich nur um mich, dabei könnte, sollte ich auf Gott sehen, auf seine Größe und seine Macht… Wenn ich dann ein menschliches Vorbild habe, ist das einfacher…

Im Heute, so sagen viele Soziologen und Pastoraltheologen, fehlen Vorbilder, oder sie werden nicht gesehen. Vielleicht kann man sagen, Heilige sind so eine Art Fenster oder Tür, durch die wir etwas von Gott sehen können…

In der Computersprache verstehen dies schon die Kinder: „ein Fenster“ öffnen und es gibt eine Kommunikation und eine Information über tausende Dinge. Viele Heilige - „Alltagsheilige“ - öffnen uns ein Fenster zu Gott. Mutter Regina ist für uns ein solches Fenster und wenn sie heiliggesprochen werden sollte, kann sie dieses offenhalten für viele andere Menschen in der Welt.

Jetzt kann ich etwas mehr verstehen, warum wir ihren Weg so verinnerlichen sollen, damit wir leichter zum Ziel kommen… um Heilige des Alltags zu werden… zu sein…

Aber warum da ein Wunder und diese Prozesse zur Heiligsprechung sein müssen, das verstehe ich immer noch nicht.

Vielleicht, damit wir Menschen in unserer Wunder- oder Sensationslust eingedämmt werden, damit nicht gleich alles und jedes zum Wunder erklärt wird. Sicher gibt es da noch eine bessere Erklärung. Auf jeden Fall ist es gut, dass die Kirche genau hinsieht und prüft und sagt, was als Wunder verkündet werden darf für die ganze Weltkirche. Was ganz sicher nicht heißen soll, dass wir die vielen Alltagsheiligen, die kleinen Wunder im Miteinander nicht sehen sollen.  

Eigentlich ist es wunderbar, dass es solche Menschen gibt, die uns den Blick und das Herz öffnen für Gottes Möglichkeiten mit uns.

Ich habe vorhin gesagt, der Weg macht mir Angst, aber im Blick auf Mutter Regina, mit ihrem Vertrauen, da möchte ich doch jeden Tag einen kleinen Schritt gehen, mit dem Ziel „Himmel“ im Jetzt und Hier und damit bei Gott. 

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